Das eigene Buch als Erfolgsrezept? Interview mit einem Verleger

11. Februar 2010

christian_hoffmann“Du musst mindestens ein Buch geschrieben haben, damit du erfolgreich wirst!“ Diese Aussage kursiert als allgemein anerkannte Wahrheit. Ob das wirklich stimmt und was ansonsten wichtig ist, verrät der Verleger Christian Hoffmann, BusinessVillage, im Interview.

Frage: Gerade Freiberufler – Berater, Trainer, Coaches – versprechen sich von ihrem ersten eigenen Druckwerk den entscheidenden Durchbruch und deutlich mehr Zulauf. Können Sie das bestätigen?

Christian Hoffmann: Sie müssten die Frage eigentlich nicht mir, sondern unseren Autoren stellen. Ich bitte daher um Nachsicht, dass ich nur aus meiner Erfahrungswelt berichten kann. Brian Tracy hat vor drei Jahren auf eine ähnliche Frage mit einem klarem “JA” geantwortet. Wir haben weiterhin einige Autoren im Portfolio, die haben sich mit ihren Büchern einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Das kann aber ganz unterschiedlich aussehen. Eine Autorin hat sich mit einem Buch erfolgreich ein neues Thema für Vorträge erschlossen, eine andere hat über ihre Bücher (mehr als nur eines) in drei Jahren ihr Geschäft verdoppelt und einen großen Konzern als ihren Traumkunden gefunden.

Doch Erfolg kommt selten von alleine. Edgar F. Geffroy hat mir einmal erzählt, dass er vor seinem Bestseller “Das einzige was stört ist der Kunde” bereits sechs andere Bücher geschrieben hatte. Es braucht also manchmal etwas Geduld. Nicht das erste Buch ist entscheidend, sondern der Prozess des Publizierens überhaupt. Dazu gehören natürlich auch Artikel in Zeitungen und im Onlinebereich und nicht nur Bücher.

Wenn Sie das so deutlich und offen sagen – müssen Sie dann nicht damit rechnen, dass sich jede Menge Autoren bei Ihnen bewerben, die einfach nur ein Buch als Eigenwerbung herausbringen wollen? Das kann und sollte doch nicht die einzige Motivation für so eine Publikation sein, oder?

C.H.: Nein. Die Motivation zu schreiben und der Bucherfolg sind zwei verschiedene Dinge. Wer ein Buch nur zum Zweck der Eigenwerbung schreibt, wird scheitern. Denn meist bleibt dann der Lesernutzen auf der Strecke und schon nach wenigen Seiten geht auch der Stoff aus.  Das Interesse an einem Thema und der Wunsch, dem Leser wirklich etwas zu vermitteln, sind für mich die essenziellen Dinge für das Schreiben eines Buches. Wer das nicht mitbringt, sollte auch seine Mitmenschen nicht mit einem Buch belästigen.

Ich würde Autoren weiterhin dringend empfehlen: Schreibt auch für Euch! Ein Buch ist eine wunderbare Chance, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Viel intensiver und tiefgehender als ein Seminar oder Vortrag beispielsweise. Wer ein Buch schreibt, wird daher sein Fachgebiet nach Fertigstellung des Manuskriptes deutlich besser beherrschen als zuvor.

Ein Buch zu schreiben, zwingt Autoren dazu, die eigene Arbeit zu hinterfragen und zu reflektieren. Die Mühsal des Schreibens ist somit auch ein positiver Zwang, selbst besser zu werden. Für den ernsthaften Autoren lohnt es sich daher immer zu schreiben – und zwar unabhängig vom späteren Verkaufserfolg und Aspekten der Eigenwerbung.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Autoren aus? Wen lehnen Sie direkt ab und wen nehmen Sie sofort?

C.H.: Wir sind ein Sachbuchverlag. Das bedeutet, dass für uns zwei Faktoren wichtig sind. Das wichtigste Kriterium ist, dass es für das Buchthema ein Leserinteresse und einen Markt gibt. Das  zweite Kriterium ist die Sichtbarkeit eines Autoren. Wer ein Sachbuch publizieren möchte, sollte mit Pressearbeit vertraut sein und bereits Artikel für (Fach-) Zeitschriften geschrieben haben. Wer diese Kriterien erfüllt hat gute Chancen. Sofort nehme ich alle Themen, die wirklich neu sind oder eine faszinierende neue Sichtweise eines Themas darstellen.

Was raten Sie jemandem, der als ‚Erst-Täter‘ ein Buch herausbringen will?

Ein gutes Thema, ein packender (auch sprachlich) Inhalt und die Bereitschaft dem Leser wirklich etwas zu bieten. Platte Eigenwerbung entlarven Medien und Leser sofort.

… und was ist das Wichtigste, nachdem das Buch tatsächlich erschienen ist?

C.H.: Erfolgreiche Autoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie in den Medien präsent sind. Es gibt immer wieder Anlässe sich mit guten Artikeln ins Gespräch zu bringen. Das Buch – in einem guten Verlag  erschienen – bringt immer zusätzliche Reputation und es gilt als Qualitätsmerkmal, das Türen öffnet.

Die richtig guten Bestsellerautoren im Sachbuchbereich arbeiten ausnahmslos so. Ich denke, sie wissen warum. Sie wollen als Marke wahrgenommen werden und wissen, Bekanntheit bringt Aufträge besonders für Vorträge, Seminare und Dienstleistungen.

Welche Rolle spielen Social Media für Sie als Verlag – und für die Autoren?

C.H.: Social Media ist gerade ein Hypethema. Das zeigen auch eindeutig die Verkaufszahlen unser Social Media-Bücher „Die Ich-Sender“ und „Der Twitter Faktor“. Social Media ist für uns allerdings nur ein Aspekt in Mediamix. Daneben machen wir unsere Autoren und ihre Ideen über unser Online-Magazin  einem breiten Publikum bekannt. Verlage sollten heute viel stärker als früher den direkten Kontakt zum Leser suchen. Aus diesem Grunde haben wir einen wöchentlichen Newsletter mit mehr als 30.000 Abonnenten aufgebaut.

In der ganzen Diskussion um Social Media wird übersehen, dass es vor lauter Ich-Sendern auch Empfänger geben muss. Keine Frage, Blogs, Twitter und soziale Netzwerke wie Facebook, Xing & Co sind enorm spannende Entwicklungen, die die Art, wie wir das Internet benutzen und wahrnehmen stark verändern. Ob sie die gegenwärtigen hohen Erwartungen aber für alle erfüllen, bleibt abzuwarten. Auch im Social Media Bereich ist das Internet ist sehr darwinistisch. Ähnlich wie bei Blogs und Podcasts werden, nur wenige Angebote erfolgreich sein. Nur wenige werden wirklich großen Nutzen aus ihren Social Media Engagements ziehen können.

Wie lange dauert es von der Zusage bis das Werk gedruckt ist?

C.H.: In der Regel sechs Monate. Wir haben aber auch schon Bücher in zwei Monaten auf den Markt gebracht. Jeder Autor sollte aber wissen, dass Lektorat, Satz, Korrektorat und Herstellung eines Buches ein wenig Zeit beanspruchen.

Verhandeln Sie lieber mit Autoren direkt oder ziehen Sie die professionelle Zusammenarbeit mit Agenten vor?

C.H.: Am liebsten spreche ich direkt mit den Autoren. Aber auch Agenten sind wichtig. Sie können Autoren helfen, attraktive Themen zu entwickeln und manchmal machen sie auch aus einem guten Manuskript ein besseres.

Sie bringen die meisten Ihrer Publikationen zusätzlich als eBook heraus, aber das traditionelle Papierbuch steht bei Ihnen auch für den Business- und Fachbuchbereich nach wie vor im Vordergrund. Wie sehen Sie die aktuellen Entwicklungen?

C.H.: Heute verkaufen wir 80 bis 90 Prozent unserer Titel als gedruckte Bücher. Im eBook-Bereich gehören wir zu den wenigen Verlagen, die erfolgreich auch digital verkaufen. Bis zu 2000 Exemplare pro Titel haben wir schon digital verkauft. Dennoch haben wir eine spannende Beobachtung gemacht. Kunden, die uns über ein eBook kennengelernt haben, bleiben uns treu, Sie wechseln aber bei weiteren Bestellungen vom eBook zum gedruckten Buch. Wenn der Kunde die Wahl hat, dann bevorzugt er offensichtlich das klassische Buch. Ich gehe daher nicht davon aus, dass eBooks Bücher verdrängen.

Wie erfolgreich neue Geräte wie das Apple iPad werden, hängt davon ab, ob die Geräte uns ein besseres und angenehmeres Lesen bieten werden. Wir werden mit unseren Kunden zusammen diese neuen Geräte ausprobieren. Ich glaube an die Souveränität der Kunden. Wenn es für die Kunden ein tolles Erlebnis ist, Bücher auf iPad & Co zu lesen, werden eBooks ein Erfolg. Es ist bei aller Technikbegeisterung aber auch vorstellbar, dass vielen Menschen, dass Lesen in digitaler Form doch nicht so zusagt. Als erfolgreicher Anbieter von eBooks sehen wir zumindest Indizien für eine solche Entwicklung. Das klassische Buch ist somit keineswegs zum Aussterben verurteilt. Vielleicht entdecken wir ja über eBooks gedruckte Bücher ganz neu und anders.

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5 Antworten auf Das eigene Buch als Erfolgsrezept? Interview mit einem Verleger

  1. [...] Hoffman will von Verleger Christian Hoffmann, BusinessVillage, wissen, ob es stimmt, dass ein Buch der erste [...]

  2. Frank Stratmann on 11. Februar 2010 at 11:22

    Ich recherchiere gerade zum Thema “Das Buch für die Arzt- oder Zahnarztpraxis” und bedanke mich für diesen wertvollen Beitrag. Mit der Recherche verbinde ich die Idee, Patienten einer Praxis mit einem Medium auszustatten, das eine Praxis im besten Fall repräsentiert. Praxis-Broschüren können wertvoll sein. Ein Praxis-Buch hat Gewicht.

    Damit hält es nicht zwingend Einzug in die Reihe der Fachbücher und Publikumstitel. Es kann aber als Bindeglied zwischen Praxis und den Sozialen Medien (inklusive Praxis-Homepage) zur Entschleunigung von Gesundheitsinformationen beitragen. Patienten zu Kennern und Fans der eigenen Praxis zu machen ist der Schlüssel zur langfristigen Patientenbindung.

    Ich sehe ein solches Buch eher als Nachschlagewerk, weniger als Lektüre für den Feierabend. Aber nur mit wirklich guter Information zur Gesundheit und deren Erhaltung, nutzen Ärzte und Zahnärzte vor Ort ein Medium, das direkten Einfluss auf den Erfolg in der eigenen Praxis haben kann.

    Leider schreiben noch die wenigsten Ärzte und Zahnärzte für Ihre Patienten, sondern eher für die Kollegen der eigenen Zunft.

  3. uberVU - social comments on 15. Februar 2010 at 05:54

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  4. Gitte Härter on 16. Februar 2010 at 16:39

    Hallo Frau Hoffmann,

    das ist ein schönes Interview – dankeschön! – und es passt genau in mein neues Blog rund um’s Schreiben, wo’s auch ums Buchveröffentlichen geht. Darum hab’ ich dort eben auf Ihren Beitrag verwiesen.

    Viele Grüße
    Gitte Härter

  5. Kerstin Hoffmann on 16. Februar 2010 at 16:42

    Sehr schön, danke! :)

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