Wie sage ich es dem Gegenüber? Lohnende Kontakte versus Zeitfresser

8. Februar 2010

Der Verlag BusinessVillage hat vor wenigen Tagen meine “Sieben Tipps für erfolgreiches Netzwerken” aufgegriffen. Eine gute Gelegenheit, das Thema um einige Aspekte zu ergänzen. Austausch und Treffen mit Menschen machen Spaß und sind im Idealfall für alle Beteiligten hilfreich und nutzbringend. Die meisten erfolgreichen Geschäftsleute, die ich kenne, haben eine hohe Begabung dafür, Kontakt zu anderen zu halten,  Menschen zu treffen und zusammenzubringen. Aber solcher Austausch braucht auch viel Zeit. Andererseits macht es ebenso wenig Sinn, tausende virtueller Kontakte anzuhäufen, ohne je ein reales Gespräch zustande zu bringen.

Doch wie finde ich heraus, welche Begegnungen für mich – und natürlich für das Gegenüber – interessant sein werden? Mit wem der intensivere Austausch vielversprechend sein könnte? Oder ob das gemeinsame Kaffeetrinken in belangloses Geplauder ausarten wird, dem ich am liebsten möglichst schnell entfliehen würde? Und: Wie lehne ich auf höfliche Weise ab, wenn ich (vorerst) kein Treffen wünsche?

Beispielsweise könnte für ein potenziell erfolgreiches Treffen einer der folgenden Punkte zutreffen:

  • In einem vorigen Mailkontakt haben sich berufliche Gemeinsamkeiten oder starke Übereinstimmungen ergeben, und es ist spannend, das weiter zu vertiefen, weil es beide Seiten weiterbringen könnte.
  • Es gibt mögliche Synergien oder Kooperations-Aussichten.
  • Das Gegenüber hat eine ähnliche Zielgruppe, aber ein anderes Portfolio, so dass sich – wenn alles anderes stimmt (und das herauszufinden ist der Sinn des Treffens) – sowohl Kooperationen als auch gegenseitige Empfehlungen ergeben können.
  • Das Gegenüber macht das Gleiche oder etwas Ähnliches wie ich, hat aber die gleiche Einstellung wie ich zum Netzwerken – so dass sich statt Konkurrenz ein fruchtbarer Austausch ergeben kann.
  • Es deuten sich andere Möglichkeiten für Synergien an.
  • Das Gegenüber sucht, was ich biete oder bietet, was ich suche.
  • Der oder die andere ist Berufseinsteiger und ich kann sie/ihn mit ein paar Tipps unterstützen – so wie mich zu Beginn meiner Berufstätigkeit auch Erfahrenere unterstützt haben.
  • Der andere ist für mich als möglicher Empfehler sehr interessant (dann ist es seine Entscheidung, ob er die Zeit in das Treffen investieren möchte und selbst das Gefühl hat, dass es ihm auch etwas bringt).
  • Es gibt andere Gründe, die eine stärkere Vernetzung sinnvoll machen.

Folgende Punkte würden mich davon abhalten, Zeit in ein Treffen zu investieren: (Ich bin mir bewusst, dass dies – wie oben – eher vage und Intuitions-gesteuerte Kriterien sind, aber mit einiger Übung entwickelt man ein sehr sicheres Gespür.)

  • Meine Intuition sagt mir, dass wir nicht auf einer Wellenlänge sind.
  • Ich habe den Eindruck, dass das Gegenüber etwas anderes will, als es sagt: beispielsweise nicht wirklich netzwerken, sondern Aufträge. Oder es will einfach von meinen Kontakten profitieren. Oder eine kostenlose Beratung.
  • Wir haben keine beruflichen Berührungspunkte, keine ähnlichen Zielgruppen, keine gemeinsamen Interessen.
  • Der oder die andere will “sich einfach nur mal austauschen”, ohne klare Aussage oder Absicht.
  • Es besteht ein deutliches Kompetenzgefälle: Ich habe den Eindruck, der andere hat nicht den gleichen Qualitätsanspruch an seine Arbeit wie ich.
  • Ich habe den Eindruck, der andere ist eher an einem privaten Treffen interessiert und “tarnt” das als Netzwerken. (In diesem Falle sollte man sich gleich für ein privates Treffen entscheiden – oder die Finger davon lassen.)
  • Es gibt andere Gründe, die eine Vernetzung sehr unwahrscheinlich machen.

Aber wie sage ich es nun dem Gegenüber? Eine einfache Ablehnung (“Tut mir leid, aber nach meiner Checkliste bringt mir ein Treffen mit Ihnen nichts.”) wäre sehr unhöflich. Netzwerken verlangt Wertschätzung, und auch Nicht-Netzwerken kann man wertschätzend begründen.

  • Fragen Sie Ihr Gegenüber ganz klar, was er oder sie sich von dem Treffen verspricht.
  • Fragen Sie, was derjenige in ein mögliches gemeinsames Netzwerken einbringen will und was er von Ihnen erwartet.
  • Klären Sie vorher, ob sich mögliche Synergien ergeben.
  • Sagen Sie deutlich, wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Treffen im Moment keinen Sinn ergibt – oder zu wenig zielgerichtet ist, um in Ihren derzeitigen engen Zeitplan zu passen.
  • Bieten Sie weiteren Austausch, beispielsweise per Mail, oder in kurzes Telefonat an – damit beide Seiten entscheiden können, ob sich Weiteres lohnt.
  • Lehnen Sie freundlich aber bestimmt ab, wenn Sie kein Treffen möchten. Das ist besser, als jemand anderem die Zeit zu stehlen – weil man sich eigentlich gar nicht mit ihm unterhalten möchte.
  • Bedanken Sie sich für das Interesse, das positive Feedback, den netten Kontakt und wünschen Sie Ihrem Gegenüber weiterhin Erfolg.
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3 Antworten auf Wie sage ich es dem Gegenüber? Lohnende Kontakte versus Zeitfresser

  1. [...] Wie sage ich es dem Gegenüber? Lohnende Kontakte versus Zeitfresser | PR-Doktor. Das Kommunikations… http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2010/02/08/wie-sage-ich-es-dem-gegenuber-vielversprechende-kontakte-versus-zeitfresser – view page – cached Der Verlag BusinessVillage hat vor wenigen Tagen meine , Der Verlag BusinessVillage hat vor wenigen Tagen meine Sieben Tipps für erfolgreiches Netzwerken aufgegriffen. Eine gute Gelegenheit, das Thema um einige [...]

  2. Alexandra Graßler on 8. Februar 2010 at 12:36

    Hallo Kerstin,

    ein Thema, das in unserer netzwerkenden Zeit immer mehr Raum einnimmt. Mir fallen dazu zwei Punkte ein, die sich für mich in diesem Zusammenhang als wichtig erwiesen haben.

    Zum einen hab ich mir seit einigen Jahren angewöhnt Gespräche zu führen mit dem Leitsatz: “Das Gespräch das ich JETZT gerade führe, ist das wichtigste.” Denn ich hab ich schon des öfteren die Erfahrung gemacht, dass eine anfänglich holprige oder vielleicht sogar nervige Begegnung sich sehr schnell verändert hat, wenn ich mein Interesse wirklich meinem Gegenüber gewidmet habe. Das hört sich jetzt vielleicht nach einer Selbstverständlichkeit an, doch wir übersehen häufig, dass wir oftmals im Kopf mit 100.000 anderen Sachen beschäftigt sind, als mit dem jetzigen Moment. Daher hilft mir die Zentrierung mit dem o.g. Satz mich wirklich auf das Gespräch einzulassen.

    Und zum anderen hab ich mir eine Frage angewöhnt, die für mich und mein Gegenüber sehr hilfreich und zielführend sein kann: “Was genau kann ich für Sie tun?” Das greift deinen ersten Punkt der Liste auf. Hier entscheidet sich sehr schnell, wie der weitere Gesprächsverlauf stattfinden wird. Und ich hab für mich gemerkt, dass ich dadurch auch ein Gespräch zu einem guten Ende bringen kann. Denn wenn sich rausstellt, dass ich wirklich nichts tun kann (auch kein Interesse für evtl. Verkaufsangebote o.ä. habe) dann überlege ich, ob ich noch die eine oder andere Empfehlung an Kontakten dazu habe und verabschiede mich dann mit guten Wünschen für die Zukunft.

    Das ist alles nichts revolutionäres, ich weiß. Doch mir helfen diese beiden Sätze zentriert zu bleiben.

  3. Kerstin Hoffmann on 8. Februar 2010 at 15:33

    Sehr hilfreiche Ergänzung, vielen Dank!

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