5 Typen, mit denen Sie sich auf Netzwerktreffen nicht unterhalten wollen

In unserer beliebten Reihe von Listen heute etwas zum Thema Netzwerken. Die Situation kennen wir (fast) alle: Auf einem Kongress, einem Netzwerktreffen, einem Firmenevent, einer Messeveranstaltung (Liste bitte beliebig ergänzen) sind zig oder sogar hundert potenzielle neue interessante Kontakte:

Menschen, die als Kunden in Frage kommen. Die wichtige neue Informationen haben. Die einflussreiche Multiplikatoren sind. Oder die einfach persönlich Bereicherndes in unser Leben bringen könnten. Aber wie finden wir die heraus? Wie sprechen wir mit möglichst vielen, ohne oberflächlich zu sein oder jemanden vor den Kopf zu stoßen? Und wie verhindern wir es, dass uns wieder irgendein Schwätzer am Kragenknopf packt und uns in einer Ecke stundenlang zutextet, während alle anderen unmerklich immer mehr abrücken – und untereinander die interessantesten Gespräche führen?

Hier sind die fünf Typen, die Sie schon von weitem erkennen und meiden sollten. Es sei denn, Sie wollten mit einem Minimum an Kontakten herausgehen und dem Gefühl, dass Sie den Abend gewinnbringender vor dem Fernseher verbracht hätten. (Aus Gründen des Lesekomforts habe ich nur die männliche Form verwendet. Selbstverständlich sind alle Typen in beiden Geschlechtern vertreten.)

1. Der Schwätzer

Eingangs bereits angesprochen. Er packt Sie beim Kragenknopf, drängt Sie in eine Ecke und labert Sie voll. Für Ihr Business oder Sie als Person interessiert er sich überhaupt nicht. Kurze Einwürfe Ihrerseits pariert er souverän mit eigenen Erlebnissen zu dem Thema. Der Schwätzer ist der Typ, der bei jemandem anruft und erst nach einer Stunde merkt, dass am anderen Ende der Leitung ein Anrufbeantworter abgenommen hat.

Wie werden Sie den Schwätzer wieder los?

Verschiedene Möglichkeiten. Die souveränste wäre: Ihn in die Nähe einer Parkuhr manövrieren, eine Münze einwerfen und ihm sagen, dass er jetzt 30 Minuten Zeit hätte, bis Sie ihn wieder abholen. Wird aber wegen immer seltener Parkuhren zunehmend schwierig. Im Zweifel: behaupten, Sie müssten auf die Toilette, und dann in einem weiten Umweg zurückkehren.

2. Der Rechthaber

Der Rechthaber sucht, wie der Name schon sagt, Zustimmung. Er hat einiges vom Vorgenannten, aber die anbiedernde Schleimigkeit vieler Schwätzer geht ihm völlig ab. Wenn Sie nicht seiner Meinung sind, redet er Sie nieder. Eine abweichende Position wird er niemals abkzeptieren. Wenn Sie es wagen, eine zu äußern, können Sie schlimmstenfalls mit einer ausufernden Standpauke inklusive reichlicher Belege rechnen.

Wie werden Sie den Rechthaber wieder los?

Am besten halten Sie insgeheim nach einem anderen Rechthaber Ausschau und stellen die beiden einander vor. Wenn Ihnen gerade langweilig ist, können Sie die sich entwickelnde Eskalation aus einiger Entfernung beobachten. Suchen Sie jedoch rechtzeitig das Weite, bevor es zur Resonanz-Katastrophe kommt.

3. Das Opfer

Das Opfer hat jetzt schon die dritte Wirtschaftskrise mitgemacht, wiederum mit erheblichen Verlusten. Es gerät dauernd an unfaire Geschäftspartner, ist wahrscheinlich auch gerade von seiner Frau (ihrem Mann) verlassen worden und braucht nur irgendwo zu parken, um sofort ein Strafmandat zu bekommen. Dabei gehört das Opfer selbst zu den Gerechten, meint es nur gut und leidet völlig unverdientermaßen. Wenn Sie das Opfer nicht gebührend bemitleiden, gehören Sie selbst zu den Bösen und Unverständigen – und bekommen das auch deutlich zu spüren.

Wie werden Sie das Opfer wieder los?

Ganz einfach: Es muss Ihnen nur noch schlechter gehen. Stimmen Sie dem Opfer bedingungslos zu, wie schlecht die Welt ist. Entfalten Sie eine herzerreißende Geschichte, die selbst seine Liste von Verfolgungen und Missverständnissen in den Schatten stellt. Leihen Sie sich ein Taschentuch und fragen Sie, ob Ihr Gegenüber Sie zu einem Getränk einladen will – ein übler Bösewicht (sic!) habe Ihnen gerade die Geldbörse gestohlen. Sie glauben gar nicht, wie schnell Ihr Gesprächspartner sich ein anderes Opfer sucht, das eben keines ist.

4. Der Loser

Warum der Loser auf dieser Veranstaltung ist, weiß eigentlich keiner. Er hat weder Geld, um Ihr Kunde zu sein, noch kennt er irgendwelche einflussreichen Menschen. Im Gegensatz zum Opfer versucht er aber so zu tun, als sei er wichtig und erfolgreich. Das glaubt ihm nur keiner. Schon wegen der Tennissocken, die unter seinen Hosenbeinen hervorblitzen. Eigentlich will sich niemand mit ihm unterhalten, weil es nichts bringt.

Wie werden Sie den Loser  wieder los?

Beleidigen Sie ihn und gehen Sie einfach weg. Das ist er sowieso gewöhnt.

5. Der Effiziente

Der Effiziente bleibt immer nur so lange im Gespräch mit einem anderen, bis er weiß, ob es ihm maximalen Profit einbringt. Verläuft das Gespräch nicht bereits in den ersten Sätzen in Richtung eines konkreten Ergebnisses oder ist sonstwie nutzbringend, lässt er sein Gegenüber unter Umständen mitten im Satz stehen. Er will aus jedem Treffen alles herausholen und mit mindestens zwanzig Visitenkarten nach Hause gehen. Meistens gelingt ihm das auch. So richtig für andere interessiert er sich aber nicht, auch vermeintlich empathische Fragen sollen vor allem für ihn einnehmen.

Wie werden Sie den Effizienten wieder los?

Wenn Sie die ganze Zeit vor allem darauf aus sind, Ihre Zeit nicht zu verschwenden und an keinen der ersten vier Energiefresser zu geraten – dann stehen die Chancen gut, dass Sie den Effizienten gar nicht loswerden können. Weil Sie es nämlich selbst sind. Höchste Effizienz im Netzwerken ist ein Widerspruch in sich. Auch scheinbar nutzloser Smalltalk kann eine angenehme Verbindung erzeugen. Sie können auch einmal jemandem zuhören, der es Ihrer Meinung nach eigentlich nicht verdient hätte. Einfach weil Sie nett und an anderen interessiert sind. Letzteres ist übrigens eine besonders gute Voraussetzung für erfolgreiches und menschlich bereicherndes Netzwerken.

  8 comments for “5 Typen, mit denen Sie sich auf Netzwerktreffen nicht unterhalten wollen

  1. christoph
    19. Oktober 2009 at 10:48

    …wenn jetzt hinter jedem Fallbeispiel auch noch eine Namensliste stünde – DANN wäre das hier richtig brisant ;-)

  2. 19. Oktober 2009 at 10:54

    Gute Zusammenfassung des Personen-Querschnitts jeglicher Veranstaltungen. …. Und der “Normale” schmunzelt und schweigt.

  3. 19. Oktober 2009 at 15:28

    mir fehlt der OFFLINER. der, der alles, was internet ist nicht kennt und auch keinesfalls kennenlernen mag. der, der social media als “zeitverschwendung” bezeichnet und auf seiner visitenkarte eine web.de adresse angibt.

  4. Kerstin Hoffmann
    19. Oktober 2009 at 15:32

    :) Der ist ganz klar der Oberkategorie “Rechthaber” zuzuordnen.

  5. Friedhelm Friedrichs
    19. Oktober 2009 at 17:48

    Und zu wem sollte man reden? Wo macht es sinn? Wer ist es wert?

    Und was ist eigentlich mit dem Einschüchterer und dem Vernehmungsbeamten?

    LG Friedhelm

  6. Kerstin Hoffmann
    19. Oktober 2009 at 17:54

    >Und zu wem sollte man reden? Wo macht es sinn? Wer ist es wert?

    Das kommt demnächst.

    >Und was ist eigentlich mit dem Einschüchterer und dem Vernehmungsbeamten?

    Sind wahrscheinlich aus einer anderen Klassifizierung. Soll ich hier abschreiben oder mir selbst was ausdenken? ;)

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