PR-Zen #7: Aufruf zur Netzwerk-Hygiene
Wir alle werden jeden Tag mit elektronischen Botschaften aus unseren Netzwerken überflutet: Mails, XING-Nachrichten, Twitter-Meldungen, Facebook-Aktualisierungen. Es gibt die eine Fraktion, die das Web 2.0 regelmäßig bis sehr intensiv nutzt und schon deshalb fast pausenlos empfängt und sendet. Es gibt die andere Gruppe, die nicht Web-2.0-affin ist und jedes neue Tool und jedes neue Angebot erst einmal als Zeitverschwendung und Spielkram bezeichnet.
Die einen haben oft Schwierigkeiten, aus dem vorbeirauschenden Datenstrom die relevanten Informatuinen herauszufiltern. Die anderen erfahren von aktuellen Entwicklungen oft erst viel später und verzichten auf sehr wirkungsvolle und hilfreiche Medien und Informationsquellen. Interessanterweise sind oft die aus der zweiten Gruppe diejenigen, die viel unnötigen Datenmüll verbreiten: Riesige offene Mailverteiler; Mails mit fünf angehängten Dateien über die Schweinegrippe; Powerpoint-Präsentationen mit lieben Tierbildchen an geschäftliche Adressen. Aber erzeugen wir nicht alle immer wieder unnötige Datenfluten, weil wir gerade nicht genau hinschauen oder eben mal etwas über einen Verteiler schicken, das nur für eine Person interessant war?
Daher rufe ich in dieser Woche zu mehr Netzwerk-Hygiene auf. Beobachten Sie sich einfach einmal selbst genau: welche Informationen Sie herausschicken; auf welchen Wegen, in welcher Form, an wen und wie selektiv. Reduzieren Sie Unnötiges und ändern Sie Unpassendes. Einige Vorschläge dazu als Beispiele:
Mail:
- Klingt banal, aber wer viele Mails bekommt, weiß wovon ich rede: Bevor Sie eine Mail schreiben, überlegen Sie genau: Welches Bedürfnis hat der Empfänger wirklich?
- Ist die Botschaft für ihn interessant?
- Was ist der Sinn und Zweck des Mailwechsels? Ist er privat oder geschäftlich? Unterhaltend oder informativ? Haben Sender und Empfänger die gleichen Vorstellungen davon
- Sind die Informationen so aufbereitet, dass er sie schnell erfassen und umsetzen kann?
- Braucht die Mail den gesamten vorigen Dialog als Full Quote?
- Welche Größe hat der Anhang? Kann man ihn ggf. verkleinern?
XING:
- Auch hier ist die oberste Frage nicht “Was will ich mitteilen?” sondern: “Was nützt meinem Netzwerk?”
- Inwiefern sind Sie für jemanden als Kontakt interessant?
- Haben Sie Ihre Kontakte getaggt, so dass beispielsweise Termineinladungen nur an diejenigen gehen, für die sie auch interessant sind?
- Wenn Sie gerade viele neue Kontakte knüpfen: Muss das wirklich immer in Ihrer Statuszeile erscheinen – oder wollen Sie es vielleicht zumindest vorübergehend aktualisieren?
- Finden Sie die launige Bemerkung in Ihrer Statuszeile bloß gerade selbst so lustig – oder hat sie einen Wert für Ihre Kontakte?
Twitter:
- Müssen alle Ihre Follower wissen, dass Sie gerade ein wenig gelangweilt sind – oder wäre es nicht besser, mit der nächsten Meldung zu warten, bis Sie einen interessanten Link posten können?
- Sollen alle Follower wissen, was Sie @Fantasiename mitteilen wollen – oder können Sie das nicht auch als private Nachricht senden?
- Auch hier: Sind die veröffentlichten Informationen interessant und wichtig für Ihr Netzwerk – oder nur für Ihr Ego?
Facebook:
- Wollen Sie wirklich alle Ihre Kontakte mehrfach zum Welt-Toastbrot-Tag einladen?
- Auch hier: Sind die veröffentlichten Informationen interessant und wichtig für Ihr Netzwerk – oder nur für Ihr Ego?
- Passt die Fan-Einladung für ein bestimmtes Angebot zu den Interessen des Eingeladenen?
- Kennen Sie den betreffenden Kontakt gut genug, um ihn mitten in der besten Bürozeit anzuchatten?
Foren und Mailinglisten:
- Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem? Verkneifen Sie sich das Me-2-Post (Me 2= ich auch).
- Sie haben sich über jemanden geärgert? Schicken Sie es nicht über die Liste. Suchen Sie den persönlichen Austausch. Möglichst wertschätzend und am besten dann, wenn der erste Ärger verraucht ist.
- Sie haben ein tolles Foto? Dann vergewissen Sie sich, ob die Forensoftware es automatisch verkleinert. Wenn nicht: Rechnen Sie es selbst klein. Denken Sie daran, dass es auch Menschen gibt, die fernab von DSL und UMTS ewig warten, wenn sie große Datenmengen laden müssen.
Skype:
- Ehe Sie einen Kontakt anfragen: Haben Sie gute Gründe, warum Sie denjenigen anchatten oder anrufen werden? Oder wird er nur ein Name in Ihrer Liste sein – und Sie in seiner? Hat er die gleichen Bedürfnisse wie Sie – oder wollen Sie sich in der Freizeit austauschen und er nutzt Skype nur beruflich?
- Bevor Sie jemanden mit Voice-Skype anrufen: Ist es wirklich so dringend? Bevorzugt Ihr Gegenüber es vielleicht, dass Sie vorher kurz per Chat fragen, ob es passt? (Vielleicht sitzt es gerade mitten in einer Besprechung und hat den Status nur nicht geändert.)
- Fantasienamen sind toll und lustig. Aber auch wenn jeder seine Skypekontakte nachträglich umbenennen kann – könnten Sie nicht einen Skypenamen wählen, der sofort erkennen lässt, wer Sie sind? Beispielsweise Ihren Realnamen?
Blogs:
- Auch hier gilt: Was ist für Ihr Netzwerk interessant? Klar, Blogs kann man abonnieren und wieder abbestellen. Aber nur echter Mehrwert, interessante Inhalte und eine klare Linie sorgen für treue Leser.
- Erst informieren, dann bloggen: Learning bei doing in allen Ehren – aber bevor Sie das Medium einigermaßen beherrschen, üben Sie lieber ein Weilchen im Stillen.
- Sorgen Sie für ein übersichtliches Layout, eine schnell erfassbare Navigation. Services wie RSS-Feeds und Links zu Social-Bookmark-Sites sollten selbstverständlich sein.
- Für Kommentare in anderen Blogs gilt das Gleiche wie für Foren: Bringt Ihr Beitrag andere weiter?
Newsletter:
- Wem nützt der Inhalt? Liefert er Mehrwert?
- Werbe- und Produktnewsletter: Was bringt er dem Empfänger? Sorgen Sie für gute Gestaltung, einfache Bestellmöglichkeiten und umfassenden Service.
- Wem senden Sie den Newsletter? Bedienen Sie nur solche Empfänger, die ihn ausdrücklich bestellt haben.
Was noch? Welche Ideen haben Sie zur aktiven Netzwerk-Hygiene?
Eine Woche, eine Aktion, maximal eine halbe Stunde täglich (hier ist die Idee des PR-Zen ausführlich erläutert). Wenn Sie sie fünf Arbeitstage lang konsequent durchziehen, werden Sie bereits deutliche Effekte bemerken. Natürlich muss das nicht die aktuelle Woche sein, wenn es gerade nicht passt. Die Beiträge bleiben ja hier stehen. Wichtig: eine Aktion pro Woche, diese aber voll und ganz!




Ganz wichtig zum Thema Mailhygiene, was ich immer wieder manchen Mail-Verteilern erklären muss.
Wenn man Mails an mehrere Adressen schickt immer BCC statt CC verwenden, das ist nicht unrelevant zum Schutz aller vor Spam und Viren!
In CC angegebene Mailadressen sind für alle in jedem Mailer offen lesbar also auch für Malware und Viren, die ja auf dem Ziel-PC vorhanden sein können.
In BCC angegebene Mailadressen sind nicht sichtbar auch nicht für Programme, darum heißt es ja “BLIND CARBON COPY” und so auch für o.g. bösartige Software keine Quelle von Mailadressen um sich zu verbreiten.
Leider bieten heutzutage die Mailer besonders Outlook immer noch lieber CC als Eingabefeld an statt BCC, um an BCC rankommen, muss man das Programm schon genauer kennen, um es nutzen zu könnnen. Es hat aber die gleiche Funktion wie CC nur mit dem positiven Schutz der Mailadressen aller Empfänger vor Weiterverbreitung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Header_%28E-Mail%29#BCC:_Blind_Carbon_Copy.2C_die_Blindkopie_.28BK.29
[...] gefallen hat mir der Beitrag vom PR Doktor Kerstin Hoffmann PR-Zen#7: Aufruf zur Netzwerkhygiene. Sie beschreibt, warum und wie sorgfältig mit Kontakten im Netz umgegangen werden muss und [...]