Twitterer-Interview: Warum der Mops per Post kam

mopsMit Thomas Büdinger, Künstler und Onliner

Frage: Herr Büdinger, Sie sind mir zuerst auf Twitter gefolgt. Ich habe dann ebenfalls auf „Follow“ geklickt, weil mir Ihr Profil gefallen hat. Alles noch ganz normal und routinemäßig. Aber einen Tag später hatte ich eine an mich persönlich adressierte, von Hand unterschriebene Postkarte im Briefkasten. Warum dieser ungewöhnliche Sprung vom schnellen Microblogging in das langsame Medium Schneckenpost?

Thomas Büdinger: Es ist einerseits der Widerspruch der Medien, andererseits die persönliche Note einer individuell adressierten Postkarte. Heute kommuniziert man schnell, per E-Mail, Twitter oder Facebook. In der Regel ist das heute für mich Normalität. Also habe ich mir überlegt, wie ich reagieren würde, wenn ich eine solche Postkarte erhielte.

Frage: Bekommen jetzt alle Ihre Follower eine Postkarte?

T.B.: In der Regel nur diejenigen meiner Follower, denen ich auch folge. Quasi als besonderer Ausdruck meines Interesses. Allerdings möchte ich niemandem zu nahe treten. Ich möchte nicht als Stalker wahrgenommen werden. Folgt man sich gegenseitig, ist schon der Kontakt hergestellt, das entspannt die Sache. Leider kommen die, die keine Website in ihrem Account angegeben haben, nicht in den Genuss der Karte, weil mir schlicht die Adressdaten fehlen.

Frage: Die Postkarte „Mops mit Margeriten“ trägt die handschriftliche Nummerierung 009/100 – wie bei einer limitierten Edition. Ist die Karte ein Kunstwerk? Verstehen Sie das Ganze als Kunstaktion?

T.B.: Ja und Jein. Natürlich ist mein Anspruch, mit dieser Kartenaktion auf meine Arbeiten aufmerksam zu machen. Andererseits habe ich einen unglaublichen Spaß daran zu sehen, wie Menschen darauf reagieren. Was ich ursprünglich wollte, war, ein paar Köder (beispielsweise bei Twitter, Craiglist, Mister Wong – und dadurch auch bei Google) im Web auszulegen. Menschen sollten das Formular auf meiner Website finden, mit dem man sich gegenseitig reale Postkarten schicken (lassen) kann. Kostenlos und begrenzt auf 200 Stück. Bisher hat aber nur ein Freund diese Möglichkeit genutzt. Daher habe ich mit der Kartenaktion an meine Twitter-Follower begonnen.

Das mit der Nummerierung ist tatsächlich als limitierte Edition gedacht und unterstreicht natürlich noch einmal den ideellen Wert der Karte. Wenn die Menschen daran Spaß haben, freut mich das. Wenn sie irgendwann überlegen, sich ein Gemälde anzuschaffen, erinnern sie sich vielleicht an mich. Es ist eine Mischung aus Kunst und Selbstvermarktung. Und natürlich steckt in dem Wort Karte das Fragment „art“.

Frage: Inwieweit ist das Ganze in Ihre sonstige Kommunikation und in Ihr Netzwerken eingebunden?

T.B.: Wie gesagt, ursprünglich war der Sinn hinter der Aktion, dass Menschen anderen Menschen eine Karte schicken. Durch meine regelmäßigen Tweets über den Stand der verbleibenden Karten und die Twitter-Einbindung in Facebook gibt es eine recht weite Vernetzung. Den Rest mache ich über Social Bookmarking und Suchmaschinenoptimierung meiner Website. Das Ganze läuft seit dem 1. Juli 2009 und braucht vermutlich noch ein paar Tage bis es sich herumgesprochen hat.

Frage: Was versprechen Sie sich von der Aktion?

T.B.: Ich möchte mehr Aufmerksamkeit für meine künstlerische Arbeit wecken. Ich habe verschiedene Vermarktungsinstrumente ausprobiert. Mein Hauptberuf lässt mir dafür aber nur begrenzte Zeit. Ich arbeite in der Online-Technik arbeite und habe von allen anderen Kanälen nicht viel Ahnung. Daher war es ein pragmatischer Entschluss im Nebenberuf mit Aktionen bei Social-Media-Plattformen einzusteigen. Dort liegen meine Kompetenz und mein Interesse. Auch das macht natürlich Arbeit, aber ich spare dennoch und habe sehr viel Spaß dabei. Das kommt vor allem meiner Familie zugute.

Die Karten schließlich sind außerdem noch eine recht günstige Variante der Werbung. Eine Karte kostet mich unter einem Euro. Eine halbe Seite im Artist Window kostet 200 Euro. Ich erreiche mit der Postkarte deutlich mehr Menschen direkt und habe noch potenzielle verstärkende Faktoren durch Mundpropaganda. Ich komme schlussendlich mit weniger Geld und mehr Spaß weiter. Zudem habe ich Menschen eine Freude bereitet.

Frage: Welche Resonanz hat es schon gegeben?

T.B.: Das Feedback ist bisher durchweg positiv. Die Menschen reagieren, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Sie freuen sich über den Bruch des Mediums, über die persönliche Note der Postkarte.

Frage: Welche Resonanz wünschen Sie sich noch?

T.B.: Ich möchte nicht unbescheiden sein, aber die Aktion mit den Postkarten ist natürlich auch ein Teilabschnitt auf dem Weg zu mehr verkauften Bildern und mehr Aufträgen. Was ich mir aber bald wünsche, ist, dass die Karten populärer werden und sich Menschen gegenseitig damit beschenken. Die Postkarte kostet sie schließlich nichts. Ich übernehme das vollständig. Deswegen gibt es keinen Grund, diesen Dienst nicht zu nutzen. Sie finden ihn unter http://thomas.buedinger.name/e-cards/postkarten-grusskarten/.

Zur Person: Thomas Büdinger, Jahrgang 1966, verheiratet, ein Sohn. Hat mal den Studiengang allgemeine Feinwerktechnik studiert und auch abgeschlossen. Arbeitet seit 2002 hautpberuflich in der Online-Technik. Ist begeisterter Maler und seit 2005 als Künstler tätig und hat es dort schon in die Ausstellungen der engeren Auswahl von zwei Kunstpreisen gebracht. Hat 2009 Twitter und Facebook für sich entdeckt. Denkt permanent über Neues nach und liebt das Beobachten von Aktion und Reaktion.

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