Als Kind habe ich mal ein Gedicht gelesen, da ging es um eine unberechenbare Schreibmaschine – und die Buchstaben waren dementsprechend durcheinander gewürfelt. Daran musste ich kürzlich spontan denken. Genauer gesagt, seit mir die unberechenbare Maschine Twitter meine Zugriffszahlen durcheinander würfelt. Noch genauer: Seit dem vergangenen Montag. Da passierte es erstmals, dass der vorige Beitrag – der vom Freitag davor – nicht nur die All-time-meistgelesenen Beiträge überflügelte, sondern auch das aktuelle Blogpost (das ich, unter uns, gar nicht so uninteressant fand).
Seither steigt das Interesse an “Warum ich Ihnen (nicht) auf Twitter folge” immer weiter, und zwar exponenziell. Normal wäre, dass die Zugriffszahlen für einen Beitrag mit der Zeit sinken. Von einigen besonderen Blogposts einmal abgesehen. Noch fast eine Woche später sehe ich zahlreiche Retweets von Retweets von Retweets von Menschen, von denen ich noch nie gelesen und gehört habe. Vorgestern überflügelte die Zugriffszahl auf diesen einzelnen Beitrag die durchschnittliche Gesamtzahl der täglichen Besucher (und die ist, auch mal so unter uns, schon gar nicht schlecht).
Nicht, dass mir der Beitrag irgendwie missfiele. Ich versuche ja immer, Dinge zu schreiben, die meine Leser interessieren. Aber ich meine, ich habe schon deutlich fundiertere, relevantere, aufwändiger recherchierte Blogposts geschrieben. Aber bisher konnte ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorhersagen, auf wieviel Interesse welches Thema in welcher Form stoßen würde. Hier habe ich mich völlig verschätzt. Warum also löst so ein kleines Stück über ein kleines Tool so viel Resonanz aus? Weil das Medium, von dem es handelt, besonders dazu angetan ist, es weiterzuverbreiten? Weil es ein Teilthema ist, das bei vielen Menschen auf Resonanz stößt? Weil es eine Web-2.0-Anwendung auf gesunden Menschenverstand zurückführt? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Ich kann nur spekulieren.
Warum ich dies alles schreibe? Weil, wie Sie wissen, dieses Blog und dessen Beobachtung für mich immer Anstöße für meine tägliche Arbeit geben. Was sind in diesem Falle meine Schlussfolgerungen, übertragen auf Veröffentlichungen im Allgemeinen und PR im Besonderen?
Wichtigste Erkenntnis: Trotz allen Fachwissens, aller Erfahrungen und aller Intuition sollten wir uns nie anmaßen zu behaupten, wir könnten die Wirkung einer Maßnahme, eines Mediums und die Reaktions des Publikums wirklich vorhersagen. Wir können Wahrscheinlichkeiten erhöhen. Wir können unser Handwerk gut machen. Wir liegen oft richtig. Aber es gibt Faktoren, die außerhalb unseres Einflusses und unserer Vorhersagen liegen. Daher sind aus meiner Sicht drei Dinge am wichtigsten – egal, ob in neuen oder in klassischen Medien, im Blog oder in der PR:













Auch hier zeigt es sich wieder, dass PR in professionelle Hände gehört. Wenn sich die Wirkung, selbst mit umfassendem Wissen und Erfahrung, nur schwer vorhersagen lässt, dann ist eine laienhafte Veröffentlichung umso riskanter.
Ein schlechter Eindruck gepaart mit einer unerwartet breiten Verteilung ist die Katastrophe im Quadrat.
Gruß
Peter
Wie wahr, wie wahr…
Hallo Frau Hoffmann,
ja, das kenn ich auch nur zu gut: Bei manchen Beiträgen denke ich “Boah, der ist so toll gelungen, da wird viel Resonanz kommen” – Pustekuchen. Bei anderen, wo ich denke: “Ja, ist ganz nett” oder gar “Ob das nicht zu abwegig ist?” kommen enorme Zugriffszahlen und viele enthusiastische Rückmeldung.
Es bleibt halt immer spannend.
Viele Grüße
Gitte Härter