Blog-Workshop. Krisen-PR: "Don’t try this at home!"

Wie Sie vorbeugen und was Sie im Ernstfall tun können.

Kunde: „Kennen Sie sich mit Krisen-PR aus?“ Beraterin: „Mehr als mir lieb ist.“ – Die beste Krisen-PR ist die, die gar nicht erst stattfindet. Aber wenn es zum Ernstfall kommt und Sie sind kein PR-Profi, hier mein dringender Rat: Versuchen Sie es nicht erst alleine.

Holen Sie sich Unterstützung. Einen PR-Berater und, wenn nötig, auch einen Rechtsanwalt. Mit anderen Worten: „Don’t try this at home!“ Es könnte schlimmstenfalls irreparablen Schaden anrichten, den dann auch der beste Berater hinterher kaum noch reparieren kann. Niemand kann vorhersagen, wie ein Unternehmen aus einer Krise hervorgeht: ruiniert oder gestärkt. Aber eine akute Krise erfordert schnelle, kühle und vor allem die richtige Reaktion.

Ein solche Krise kann beispielsweise sein: ein Störfall, ein Skandal, eine Anklage, ein gravierender Produktfehler, Entlassungen im großen Ausmaß, wirtschaftliche Schwierigkeiten. Es kann aber ebenso der unerwartete Protest einer Bürgerinitiative gegen ein Bauprojekt sein. Umsatzeinbrüche in der Branche, die das Vertrauen der eigenen Geldgeber und damit den Finanzzufluss gefährden. Die ungerechtfertigte Anschuldigung eines ehemaligen Mitarbeiters, die an die Öffentlichkeit gelangt.

Auch wenn es ratsam ist, sich von einem Berater unterstützen zu lassen: Was können Sie zur Vorbeugung und im Krisenfall tun?

* * * * * * * * * * * * * * * * * * *

So beugen Sie vor

Pflegen Sie gute Pressekontakte: Offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Pressevertretern ist ein wichtiges Element jeder Unternehmenspolitik. Wer umfassend informiert und transparent arbeitet, hat im Fall des Falles deutlich bessere Karten.

Halten Sie Ihre Verteiler aktuell: In der Krise haben Sie keine Zeit, sich Adressen, Telefonnummern und Spezialisierungen von Pressevertretern zusammenzusuchen.

Aktualisieren Sie Ihr Material: Alle Informationen und Pressematerialien, Unternehmenszahlen und wichtige Daten – auch die Hintergrund-Informationen, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen, sollten stets auf dem neuesten Stand und sofort abrufbar sein.

Kommunizieren Sie regelmäßig: Informationen und Pressemitteilungen zur Unternehmensentwicklung, zu Projekten und Produkten sollten selbstverständlich sein. Allerdings nur, wenn der Anlass auch berichtenswert ist. Mehr dazu haben Sie bereits in diesem Workshop erfahren.

Planen Sie Ihre PR: Wer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nur so nebenher macht und erst im Krisenfall mit professioneller PR beginnt, verliert wertvolle Zeit, die unter Umständen nicht mehr aufzuholen ist.

Proben Sie den Ernstfall: Wenn Sie schon öfter zu erfreulichen Themen Pressekonferenzen organisiert haben, gelingt Ihnen das bei weniger schönen Anlässen professioneller und souveräner.

Klären Sie Verantwortlichkeiten: Eine Person im Unternehmen muss für die PR zuständig sein. PR ist Stabsarbeit. Der PR-Zuständige braucht alle relevanten Informationen und muss den direkten Draht zur Unternehmensleitung haben. Wenn es ein externer Berater ist, gilt das ebenfalls.

Sichern Sie sich schnelle Unterstützung: Selbst wenn Sie die PR sonst immer selbst machen – für den Krisenfall sollten Sie die Kontaktdaten eines guten Beraters haben, der ihr Unternehmen bereits kennt, dem Sie vertrauen und der schnell einspringen kann.

Das ist im Ernstfall wichtig

Offen kommunizieren: Verneinen, rechtfertigten, abstreiten – diese Dinge können Sie getrost vergessen. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, hilft nur absolute Offenheit und zwar jeweils nach dem aktuellsten Stand der Dinge. Noch einmal: Das kann nur ein Profi gut organisieren und formulieren.

Fehler eingestehen: Sagen Sie, was passiert ist, warum es geschehen ist und was die möglichen Folgen sind. Erläutern Sie, was Sie zu unternehmen gedenken.

Umfassend informieren: Beziehen Sie alle Beteiligten mit ein. Die Öffentlichkeit und die Medien ebenso wie Multiplikatoren und direkt Betroffene. Sorgen Sie dafür, dass die unmittelbar an Ihrem Unternehmen Beteiligten – etwa der Aufsichtsrat, Aktionäre, Geldgeber und natürlich Ihre Mitarbeiter – als erste alle relevanten Informationen erhalten.

Alle Medien nutzen: Bleiben Sie mit allen relevanten Personen und Organisationen in ständigem Kontakt. Persönlich, per Mail, telefonisch, mit Pressemitteilungen, in Pressekonferenzen.

Ball flach halten: Schlagen Sie nicht zurück, ehe Sie bei sich selbst aufgeräumt haben. Wer vor Gericht zieht, gegen Verleumder prozessiert und aggressiv versucht, sich ins Recht zu setzen, der provoziert unter Umständen mehr Aufsehen, als der Sache dienlich ist.

So kann es weitergehen

Wenn Kommunikation in der Krise rechtzeitig und offen stattfindet, können Sie sogar gestärkt daraus hervorgehen. Das beweisen beispielsweise Rückrufaktionen, die den Firmen mehr Bekanntheit und Sympathiewerte gebracht haben, weil diese gut und rechtzeitig reagiert haben.

Analysieren Sie anschließend die Situation mit professioneller Unterstützung. Ziehen Sie Lehren. Arbeiten Sie daran, ein positives Image aufzubauen. Intensivieren Sie Ihre Vorbereitung für künftige Fälle.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Der Workshop geht weiter.  Sie finden alle Folgen auf der Übersichts-Seite.

  4 comments for “Blog-Workshop. Krisen-PR: "Don’t try this at home!"

  1. 14. Januar 2009 at 13:15

    Hallo Frau Hoffmann,
    guter, strukturierter und vor allem nützlicher Überblick, den ich noch um zwei Dinge ergänzen würde:
    Als vorbereitende Maßnahme ist es sicher gut, sich einiger potenzieller Krisenszenarien bewusst zu werden, Motto: Was könnte in unserem Unternehmen eine Krise auslösen?
    Zum anderen denke ich, sollte in einer Krise zu umfassender Information auch die interne Kommunikation mit Mitarbeitern nicht zu kurz kommen. Flurfunk und Verunsicherung verstärken sonst noch die Krise

  2. 14. Januar 2009 at 13:31

    Hallo Herr Schütte!

    Danke für das Lob und Ihre Ergänzungen. Die Mitarbeiter hatte ich unter „umfassend informieren“ sozusagen ‚im Sinn‘ – habe sie jetzt dort aber auch explizit eingefügt. Ganz wichtige Sache, auf jeden Fall!

    Krisen-Szenarien habe ich bewusst außen vor gelassen, weil das eine Sache ist, die man mit einem Profi angehen sollte – und hier in diesem Beitrag nenne ich ja ausdrücklich Dinge, die das Unternehmen schon einmal selbst vorbereiten kann.

    Natürlich kann es sinnvoll sein, die eine oder andere unangenehme Situation schon einmal durchzuspielen. Ohne fachliche Unterstützung kann das aber auch schon einmal in Ängste oder Entmutigung führen.

    Zudem sind selbst vertrauliche Sitzungen auf höchster Ebene nicht immer völlig ‚dicht‘. Da kann immer etwas durchsickern. Krisenszenarien durchzuspielen oder gar schriftlich festzuhalten birgt also auch immer gewisse Risiken, wenn man nicht genau weiß, wie so etwas geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *