Wie misst man den Erfolg eines Blogs?
Die Schere klafft immer weiter auseinander. Während einige Unternehmen selbst mit statischen Websites nicht gerade auf dem aktuellen Stand sind, nutzen andere die Möglichkeiten des Web 2.0 ausgiebig für sich. Web 2.0 heißt im Grunde ja nur: Jeder kann ganz einfach im Internet veröffentlichen. Die Reaktionszeiten sind kürzer. Es gibt viele neue Tools zur direkten Interaktion und für Netzwerke. Natürlich gehören Blogs wie dieses dazu.
Aber was ist für Unternehmen sinnvoll? Und vor allem: Wie kann man den Erfolg von Blogs, Social-Media-Tools oder Twitter messen? Dazu habe ich kürzlich einen Vortrag gehalten. Eine Erkenntnis daraus: Es gibt Kennzahlen und Mess-Möglichkeiten. Aber es wäre ein Fehler, diese absolut zu setzen. Was nützen zum Beispiel 1.000 Klicks, wenn davon nur zehn von meiner Kernzielgruppe kommen? Im Gegensatz beipsielsweise zu 100 Klicks von 60 oder 70 potenziellen Kunden?
Das Gleiche gilt für Links in und von Blogs. War lange Zeit für viele die Technorati-Authority – der aktuelle Grad der Verlinkung – das Maß aller Dinge, so relativiert sich auch das immer mehr. Es kommt ja nicht allein auf die Zahl der Verweise an, sondern auch darauf, wer sie gesetzt hat und wer sie wahrnimmt. Nico Lumma ist da gerade zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gelangt:
Ich glaube nicht, dass Links von einem Blog zum anderen noch die Relevanz haben, die sie vor 4-5 Jahren hatten:
- es gibt nicht die eine deutsche Blogosphäre, sondern viele, die nur lose miteinander verknüpft sind, das bedeutet auch, dass nicht alle unbedingt zu den sog. Top-Blogs verlinken und vor allem bedeutet es auch, dass die Top-Blogs für viele Konversationen gar nicht relevant sind.
- die Anzahl der Blogs und der Artikel hat in den letzten Jahren ordentlich zugenommen, man kann und will daher gar nicht mehr auf die Vielzahl der Artikel eingehen. 2003/2004 gab es täglich nur eine übersichtliche Anzahl von Artikeln, auf die dann mit Verlinkungen eingegangen wurde, da allerdings damals auch der Vernutzungsgrad unter den paar hundert Bloggern recht hoch war.
- durch die verstärkte Nutzung von Feedreadern hat sich die Rezeption von Blogs verändert, anstatt “ich blogge das!” wird jetzt eher der “ich share das!”-Impuls getriggert.
- die Konversation hat sich verlagert, sie findet nicht nur in Blogs, sondern auch in Facebook, auf Twitter, meinetwegen auch bei Friendfeed oder sonstwo statt.
- der schnelle Link am Rande wird heutzutage über Twitter ausgeklingt und nicht mehr als Blog-Posting a la “guckt Euch das mal an, ist interessant” gewürdigt.
Meine Schlussfolgerung daraus: 1. Es lohnt sich, Methoden und Erkenntnisse immer wieder zu hinterfragen. 2. Mehr denn je zählen Kernkompetenzen. Es reicht eben nicht, Medien einfach mal auszuprobieren. Wenn sie wirksam innerhalb eines Kommunikationsmixes sein sollen, gehören eine fundierte Beratung dazu und eine qualitative Evaluierung, die über reines Erbsenzählen hinausgeht.



Ich glaube nicht, dass Links von einem Blog zum anderen noch die Relevanz haben, die sie vor 4-5 Jahren hatten:
Die Zahl der “unique visitors” in Verbindung mit der Verweildauer im Blog ist meiner Ansicht nach ein guter Idikator: Wie viele Menschen erreiche ich und wie lange setzen sie sich mit meinen Inhalten auseinander? Spreche ich sie in der Form an, die sie erwarten – oder sind sie nach 1 Sekunde wieder weg?
Jemand ohne Affinität zur Kernzielgruppe wird sich in der Regel nicht lange mir ihren Inhalten auseinandersetzen.
PS: Wo ist die Weihnachtsfrau?
Gute Ergänzung, vielen Dank.
Die Weihnachtsfrau hat die Mütze im Blog wieder abgesetzt und schiebt jetzt nur noch im Twitter Dienst.
Das ist übrigens – um mal wieder etwas ernsthafter zu werden – auch ein Aspekt: Das Storyboard hat sehr viele Stammgäste – und die sind eine besonders interessante und wichtige Besuchergruppe für ein Blog. Wenn die ein witziges Bild zwei Wochen hintereinander jeden Tag gesehen haben, finden sie es einfach nicht mehr lustig, denke ich. Der Überraschungseffekt ist weg. Dann ist es besser, es wieder herauszunehmen.
Hier noch eine Ergänzung zu Online-Reichweite und Aussagekraft von Page Impressions: http://in.focus.de/2008/12/na-wie-viele-klicks-habt-ihr-heute-kleine-onlinereichweitenkunde-teil-1.html
Bei der Fragestellung “Wie misst man den Erfolg eines Blogs?” kommt bei mir als erstes die Frage “Was ist denn der Erfolg eines Blogs? Was will ich damit erreichen?” Irgend eine einzelne Metrik, wie früher die Page Impressions, oder der Verlinkungsgrad wird darauf nie eine befriedigende Antwort geben. Diese Metriken sind deshalb so weit verbreitet, weil man sie leicht messen kann und nicht, weil sie so eine gute Antwort geben. Eine Methode, wie man Metriken entwickeln kann, ist z.B. “Goal – Question – Metrics”: Was ist mein Ziel, mit welcher Fragestellung kann ich die Erreichung des Ziels überprüfen und wie müssen meine Kennzahlen (Metriken) möglichst aussehen, um diese Fragen zu beantworten. Die Interpretation des Satzes von Metriken, die man gewonnen hat, ist dann nochmal eine ganz “eigene Kunst”. Und das hinterfragen dessen was man misst – um zu Deiner Erkenntnis Nr. 1 zu kommen – ist ebenfalls ein ganz wesentlicher Bestandteil. Die Erkenntnisse daraus sollten dann in einem “Continuous Improvement”-Ansatz wieder zurück in die Metriken fliessen. Und da sind wir bei Deiner Erkenntnis Nr. 2.
Genau. Erfolg kann man nur messen, wenn man sich genaue Ziele gesetzt hat. Was will ich mit meinem Blog? Solche Ziele könnten zum Beispiel sein:
- bekannter werden
- Mitarbeiter motivieren
- eigene Forschung und Entwicklung unterstützen
- Spaß haben und diskutieren
- mehr Umsatz mit meinem Kerngeschäft erzielen
Das sind alles Kennzahlen, die jenseits von Page Impressions, Verweildauer oder auch Anzahl von Kommentaren liegen.