Blogger-Interview 5: Christian Henner-Fehr, Kulturmanagement Blog

22. September 2008

“Das Blog ist meine Wissenssammlung”

Kulturmanagement ist ein spannendes Thema. Aufgefallen ist mir das “Kulturmanagement Blog” von Christian Henner-Fehr aber vor allem wegen seiner sehr praxisnahen Beiträge, die weit über das Kernthema hinaus interessant sind – etwa ein Ratgeber-Artikel zu Stundensätzen für Freiberufler. Christian ist der fünfte Interviewpartner in meiner kleinen Reihe.

Seit wann gibt es dein Blog und warum?

Das Blog habe ich im November 2006 eingerichtet, die ersten wirklichen Blogposts sind dann ab Januar 2007 erschienen. Gründe für das Bloggen gab es mehrere: zum einen fand ich das Tool Weblog interessant und habe einige Blogs verfolgt, allerdings in anderen Bereichen. Das war dann auch der zweite Grund. Ich konnte kein Blog zum Thema Kulturmanagement entdecken und habe mir gedacht: super, dann versuch ich das mal. Der dritte Grund: ich wollte mir so eine Art Themensammlung anlegen, auf die ich dann zugreifen kann. Also so eine Art Archiv und dafür ist ein Blog sehr gut geeignet.

Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich durch das Abhalten von Seminaren, durch Coachings und Beratungen, durch das Schreiben von Artikeln und Fachbeiträgen und vor allem durch die Mitarbeit in Projekten.

Kannst du ein bisschen näher beschreiben, was das für Seminare und für Projekte sind?

Die Projekte sind ganz bunt gemischt. Da geht es um Ausstellungen, Kammerkonzerte, Theaterinszenierungen, um jetzt die klassische Schiene anzusprechen. Darüber hinaus habe ich mich aber auch in einem Projekt mit den Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern beschäftigt. Das war unter anderem auch deshalb interessant, weil es uns damit gelungen ist, für ein Projekt, das im Kunst- und Kulturbereich angesiedelt ist, Gelder aus EU-Fördertöpfen zu erhalten, die in diesem Fall für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen vorgesehen waren. Das ist, denke ich, die große Herausforderung für den Kunst- und Kulturbereich, nicht nur auf die klassischen Fördertöpfe für künstlerische Projekte zu setzen, sondern zu versuchen, auch in anderen Programmen an Geld zu kommen.

Nachdem man solche Projekte auch irgendwie “managen” muss, ist das Thema Projektmanagement dann recht schnell dazu gekommen. Auch das nächste Thema hat sich eigentlich von selbst ergeben: Die EU finanziert in der Regel nur einen Teil der  Projektkosten, daher ist es notwendig, sich nach anderen Einnahmequellen umzusehen.

Anfangs waren das vor allem nationale Förderungen und Sponsoren, mittlerweile interessiert mich beim Thema Kulturfinanzierung eigentlich vor allem die Frage, wie man sonst noch an Geld kommen kann? Da gibt es recht spannende Ansätze, vor allem in Verbindung mit dem Web2.0. Womit ich nach den Themen EU-Förderung, Projektmanagement und Kulturfinanzierung beim letzten Seminarthema bin: Web2.0 im Kulturbereich, verbunden mit der Frage: Wie lassen sich die Tools des Web2.0 für den Kunst- und Kulturbereich einsetzen?

Bringt dir das Blog Kunden?

Das Blog hilft mir auf der einen Seite, neue Kontakte zu knüpfen. Für Projekte, Beratung, etc. Auf der anderen Seite ist das Blog für mich immer dier Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit neuen Themen. Das heißt, ich nähere mich auf dem Blog einem Thema an und daraus werden dann Projekte, Seminare etc.
Indirekt bringt mir das Blog Kunden, ja. Wobei man da aufpassen muss. Im Grunde birngt mir das Blog vor allem Reputation und eine Öffentlichkeit. Daraus entstehen dann Kontakte und von denen werden dann manche zu Kunden. Wobei sich das zahlenmäßig noch in Grenzen hält, aber nach knapp zwei Jahren darf man da nicht zuviel erwarten. Schließlich muss das Blog ja erst einmal bekannt werden.

Wie hat sich denn die Bekanntheit, wie haben sich die Zugriffszahlen entwickelt, seit du begonnen hast?

Das mit den Zahlen ist so eine Sache, schließlich gibt es das perfekte System noch nicht. Welche Maßeinheit nehmen? WordPress zählt zum Beispiel die Visits, was das dann auch immer sein mag. Dort habe ich im Endeffekt bei Null begonnen, in den ersten Monaten knapp 100 und mittlerweile liege ich bei knapp 6.500. Die Zahlen sind das eine, im Endeffekt geht es mir aber um Kontakte. Zehn gute Kontakte, mit denen man dann zusammenarbeiten kann, sind viel hilfreicher als 50.000 Besucher. Wobei ich die 50.000 Besucher schon auch gerne hätte, muss ich ehrlich gestehen. Aber man muss ja noch Ziele haben. :-)

Wie kommst du sonst hauptsächlich an deine Kunden? Wie lange hat es da gebraucht, bis es wirklich lief?

Ich hatte das Glück, schon sehr früh auf das Thema EU-Förderungen zu stoßen und war dadurch – zumindest hier in Östereich – einer der ersten, der sich intensiv damit beschäftigt hat. Wenn es einem dann gelingt, Fördergelder aus Brüssel zu bekommen, spricht sich das mit der Zeit herum und insofern ist es schon damals vor allem die Mundpropaganda gewesen, durch die sich mein Kundenkreis eweitert hat. Wirklich leben konnte ich dann nach etwa smehr als fünf Jahren davon.

Wie oft bloggst du, und was – glaubst du – ist die Mindestfrequenz, um ein Blog interessant und die Abonnenten bei der Stange zu halten?

Ich blogge nach Möglichkeit jeden Tag, wobei das schon eine wirkliche Herausforderung ist, muss ich gestehen. Mir fällt das Schreiben zum Glück relativ leicht, andernfalls müsste ich mein Pensum reduzieren. Die Mindestfrequenz hängt wahrscheinlich auch vom Thema ab und wie tief man jeweils in die Materie reingeht. Sind es lange, hochwertige Beiträge, würde ich sagen, so etwa drei Beiträge pro Woche sollte man schon veröffentlichen. Sind es eher kurze Beiträge, in denen vor allem auf andere Quellen verlinkt oder hingewiesen wird, dann sollte die Zahl höher liegen. Aber wie gesagt: so pauschal lässt sich das schwer beantworten. Ich spreche in diesem Zusammenhang immer von einem inneren Rhythmus, den man für sich selbst finden muss und der sich auch ändern kann.

Meine Abschlussfrage: Im Web 2.0, mit Twitter und anderen Medien, wird das Bloggen nach und nach regelrecht zu einem traditionellen, etablierten Medium. Wie wird sich das alles deiner Ansicht nach weiterentwickeln? Wirst du, werden wir alle in vier oder fünf Jahren noch genauso bloggen wie jetzt?

Ja, ich denke schon. Mein Blog ist für mich der zentrale Anlaufpunkt im Internet. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Blog für mich so eine Art Wissensarchiv darstellt. Früher habe ich interessante Beiträge im Internet immer als Lesezeichen abgespeichert. Mit dem Ergebnis, dass ich sie mir nie mehr angeschaut habe. Heute mache ich aus interessanten Beiträgen gleich ein Blogpost und verhindere dadurch, dass mir das Thema verloren geht. Diesen Nutzen eines Weblogs soll man nicht unterschätzen.

Tja, wie entwickelt sich das Internet weiter? Ich denke, wir werden wohl noch so manche sprichwörtliche Sau durchs virtuelle Dorf jagen. Es werden Tools angeboten werden, die das Aggregieren von Informationen erleichtern, aber das wars dann schon, was die Technlogie angeht. Auf der anderen Seite werden einzelne Personen an Bedeutung gewinnen, die andere bei der Orientierung in bestimmten Themenbereichen unterstützen. In Analogie zu den Austellungskuratoren spreche ich hier von den digitalen Kuratoren, die bestimmte Informationen aus dem Netz aufgreifen, sie verknüpfen und ihren “LeserInnen” dadurch einen Mehrwert bieten. Blogs oder blogähnliche Content Management Systeme sind dafür bestens geeignet. Auch aus dieser Sicht spricht also nichts dafür, mit dem Bloggen aufzuhören, ganz im Gegenteil. :-)

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5 Antworten auf Blogger-Interview 5: Christian Henner-Fehr, Kulturmanagement Blog

  1. [...] des digitalen Kurators so ein Punkt im Interview gewesen, das ich Kerstin Hoffmann und ihrem Blog Storyboard – das Kommunikationsblog geben durfte. Ich denke, der technologische Fortschritt wird uns noch sehr viele herausfordernde [...]

  2. Réka on 23. September 2008 at 08:51

    Es ist eine tolle Idee, das eigene Blog bewusst als Wissenssammlung zu betrachten.
    „Heute mache ich aus interessanten Beiträgen gleich ein Blogpost und verhindere dadurch, dass mir das Thema verloren geht.” Das könnte ich doch nicht schaffen. Ich brauche auch in der Zukunft Dateien, wo ich Themen sammle. :-)

  3. Réka on 23. September 2008 at 08:52

    [...]Das Blog und den Autor habe ich dank seines Interviews in Storyboard kennengelernt.[...]

    Dieser Eintrag wurde als „Artikel des Tages für Multiprojecter” nominiert. Hier kannst du bis 23.09.2008. 23:59 die anderen Kandidaten besichtigen und für deinen Lieblingsartikel stimmen. Wir würden uns freuen, deine Meinung zu hören.

  4. tixclub on 23. September 2008 at 11:33

    Ich bin regelmässiger Besucher des Kulturmanagement-Blogs und freue mich, Christian Henner Fehr auch mal in einer anderen “Rolle zu sehen”. Aber auch ingesamt eine interessante Reihe!

  5. Christian Henner-Fehr on 25. September 2008 at 20:27

    @ Réka: Ich habe schon auch noch eine ziemlich lange Liste an Bookmarks bei deli.cio.us und Co. Aber manches muss ich sofort weiter verarbeiten, sonst geschieht es nie. :-)

    @ Kerstin: danke für die Möglichkeit, mich hier auf Deinem Blog ausbreiten zu dürfen.

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