Alle meine Mails sind weg. Jedenfalls die im Posteingang. U. hat gestern – der Gute! – meinen Rechner komplett neu aufgesetzt, weil er mit der Zeit so langsam geworden war. (Der Computer, nicht U.) Gewissenhaft, wie wir sind, haben wir vorher ein komplettes Backup auf einer externen Festplatte gemacht. Händisch das meiste, aber für Firefox und Thunderbird haben wir ein tolles Backup-Tool benutzt. Das hat auch alles super wieder hergestellt, Bookmarks, Adressbücher, Ordner… Bloß die Mails im Posteingang sind weg. Unwiederbringlich.
:Totale Leere: So sieht im Moment mein Posteingang aus!
Viele Leute – U. übrigens eingeschlossen – erledigen ihre Mails gleich, verschieben sie in Ordner, speichern die Anhänge und tragen zu Erledigendes in den Kalender ein. Die haben abends nie mehr als zwei oder drei Nachrichten im Posteingang. Theoretisch mache ich das auch so. Praktisch bewahre ich den einen Anhang bloß mal zur Vorsicht auf – da lohnt es nicht, das zu verschieben. Ich lasse eine Mail im Posteingang, um daran zu denken, den Absender anzurufen. Lasse Aktuelles erstmal im Posteingang. Denke nicht immer daran, es zu verschieben – und es ist ja dort auch per Suchfunktion sehr einfach wiederzufinden. Andererseits lohnt ein Posteingang als “To-do-Liste” und Erinnerungsstütze nur mäßig viel, wenn er mit der Zeit ein paar hundert Mails umfasst. Die liest man eh nicht jeden Tag alle. Und wenn man sie nach einem halben Jahr oder so dann doch mal durchschaut und löscht, ist man erstaunt, wie wenige davon man wirklich gebraucht hat.
Aber jetzt ist es jedenfalls alles weg. Irgendwie auch erleichternd. Erspart Stunden des Durchsehens und Einzeln-Löschens. Ich bin überzeugt, das Wenigste davon wird mir wirklich fehlen. Bis auf einige Ausnahmen. Zum Beispiel erreicht mich heute eine Mail: “Sehr geehrte Frau Hoffmann! Vielen Dank für Ihre Anfrage vom 7. August. Gerne können Sie das PDF unserer Broschüre an andere weitergeben. Mit freundlichen Grüßen…” – “Sehr geehrte Frau Sowieso! Vielen Dank für Ihre Freigabe. Leider ist die Broschüre mit meinen Mails verloren gegangen. Können Sie sie bitte nochmals senden?”
Andere Sachen, die mir fehlen, habe ich schon selbst bemerkt. Der Dozentenleitfaden für meinen Lehrauftrag, beispielsweise. Ausgedruckt habe ich den längst; digital abgelegt offensichtlich nirgends. “Sehr geehrter Herr Dingsda! Leider sind gestern alle meine Mails verloren gegangen. Könnten Sie mir bitte…”. Sowas ist immer ein bisschen peinlich, aber nicht zu ändern.
Ich bin gespannt und auch ein bisschen besorgt, was mir sonst noch fehlt. Waren da nicht noch Nachrichten mit einem dringenden “To do”, das ich sonst nirgends vermerkt habe? Kontakte, potenzielle Auftraggeber, die auf meinen Anruf warten, sich wundern, mich dann abschreiben – und damit auf alle Zeit verloren sind?
Andererseits ist so ein Datenverlust auch eine prima Gelegenheit: Datei nicht gefunden? Mail verbuddelt? Nachricht versehentlich gelöscht? “Entschuldigen Sie vielmals, aber das ist nicht mehr aufzufinden. Ich habe letztens alle meine Mails verloren.” Da kann mit mit dem ganzen Mitgefühl des Gegenübers rechnen. Jeder von uns hat so einen Datenverlust schon mal erlitten – meistens, wenn es gerade besonders schlecht passte. Andererseits: Wann passt so etwas je in den Arbeitsalltag? Aber wenn Sie mich demnächst anrufen, weil ich Ihnen irgendwelche Unterlagen nicht geschickt habe: Ihre Mail ist wirklich gestern verloren gegangen!













Oje. Grässliche Vorstellung. Wenn auch erleichternd, irgendwie …
Hm, eigentlich speichert Thunderbird die Mails im Posteingang nicht anders als die aus den Unterordnern. Manchmal braucht er aber sehr lange, um seine Indexdateien neu zu generieren, lass doch mal den Thunderbird ne Weile auf, vielleicht siehst Du die Mails dann auf einmal wieder. (Sonst würde ein genauerer Blick auf die Datenstruktur vielleicht noch helfen.)
Ansonsten: Mut zur Lücke.
Gruss
Frank
Der Thunderbird ist heute seit sieben Uhr geöffnet. Meinst du, da sind noch Chancen?
Ich nutze Gmail als Mail-Speicher: Die Mails werden dort automatisch vom pop3-Konto abgerufen und aufbewahrt. Geht in Outlook was verloren, kann ich es bei Gmail schnell wiederfinden. Hat mich schon mehrfach vor unangenehmen Situationen bewahrt.
Ja, das ist eine gute Idee. Etliche meiner verlorenen Mails sind auch in meinem Gmail-Account. Aber lange nicht alle – und leider genau die wichtigsten nicht. Wahrscheinlich, weil mein Mail-Client, der – wenn ich im Büro bin – den ganzen Tag an ist und dann einen großen Teil der Nachrichten abruft, ehe Gmail zugreift.
@Kerstin: dann Plan B.
@Andreas: Zu Gmail sollte man allerdings die Privatsphären-Implikationen im Hinterkopf haben. Google sammelt nämlich “total gerne” allerhand personenbezogene Daten und konsolidiert Profile aus allen Diensten, die sie bereitstellen (und das sind nicht wenig).
Du Arme. Aber nach ein paar Tagen, höchstens Wochen dürfte das überwunden sein. Ich finde es jedenfalls beruhigend, wenn Freunde und Bekannte ab und zu absolut alles löschen und mir nicht nach zehn Jahr noch irgendeine alte Mail duplizieren können