"Rent your hair": Haaren Sie noch – oder mieten Sie schon?

Ich lese ja für mein Leben gerne Anzeigen. Schon von Berufs wegen, aber auch in meiner Freizeit. Meine Lieblingsanzeige aller Zeiten ist nach wie vor die eines Bäckers hier um die Ecke: “Für Sie springen wir jeden Sonntag von 8 bis 11 Uhr aus den Federn!” Klasse finde ich auch die wöchentliche kostenlose Fernsehbeilage in meiner Tageszeitung, die mehr oder weniger nur so eine Art Träger für Anzeigen zum Thema Treppenlifte, Wintergärten und Senioren-Schwimmkurse zu sein scheint. Ich warte immer noch auf den zweistöckigen Wintergarten mit Treppenlift, Pool und Bademeister-Pauschalvertrag.

Ein wirklich schönes Angebot habe ich aber heute in meiner Zeitung entdeckt: Haar-Rentsystem. Mir blutet das Herz, dass ich sie aus Copyright-Gründen nicht einscannen und hier zeigen kann. Aber es gibt eine Website des Anbieters. Das Angebot: “Rent your hair! Neue Haare ohne Kauf ab 69,90 Euro monatlich. Sie erhalten Ihre neuen Haare für einen bestimmten Zeitraum und zahlen für Ihr gutes Aussehen (…) jeden Monat nur einen geringen Betrag.”

Das ist doch mal was. Allerdings hätte ich in dem Zusammenhang noch einige Fragen. Beispielsweise: Was ist, wenn jemand mal die Miete schuldig bleibt? “Peter, du hast ja eine Vollglatze. Hattest du nicht immer einen Wuschelkopf?” – “Ja, aber im Moment bin ich finanziell etwas klamm. Nächsten Monat reicht es hoffentlich wenigstens wieder für einen Haarkranz am Hinterkopf!”

Dann frage ich mich, was ist, wenn man vorzeitig aus dem Mietvertrag aussteigen möchte? Ist es in Ordnung, einen Nachmieter zu stellen? Muss ich die Haare renovieren, ehe ich sie zurückgebe? Oder reicht besenrein?

Dann hat kürzlich der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein Vermieter einem Mieter nicht vorschreiben darf, in welchen Farben er die gemietete Wohnung streicht, weil dies dem Recht des Mieters auf Selbstverwirklichung in seinen eigenen vier Wänden widerspricht. Das müsste doch eigentlich erst recht für das Selbstbestimmungsrecht auf dem eigenen Kopf gelten, oder? Darf ich demnach die gemietete Frisur in jede von mir gewünschte Farbe umfärben? Wenn ja: Muss ich vor Rückgabe der Mietsache derselben wieder einen gedeckten, neutralen Farbton verleihen?

Schließlich denke ich noch über weitere Geschäftsideen nach. Ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, beispielsweise Zähne zu vermieten? Geht ja auch saisonal: “Also, ich miete mir immer nur im Winter Zähne, wenn es Braten und handfeste Speisen gibt. Im Sommer ernähre ich mich von Eis und weichen Früchten. Das spart so viel Geld, dass ich davon glatt einen zusätzlichen Urlaub finanzieren kann.”

Allerdings könnten sich auch bei diesem Geschäftsmodell ungeahnte Folgeprobleme ergeben. “Herr Ober, schervieren schie mir bitte ein Schteak, einen Schalat – und einen Pürierstab. Mein Vermieter hat Eigenbedarf geltend gemacht!”

garantiert Eigentum

Meine Haare: keine Mietsache, sondern mein persönliches Eigentum.

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  2 comments for “"Rent your hair": Haaren Sie noch – oder mieten Sie schon?

  1. µOdt
    23. Juni 2008 at 19:46

    Aus Gründen des Datenschutzes ist dieses Mietmodell für die Haarpracht äußerst fragwürdig. Ließe sich doch aus dem Durchmesser der Tonsur auf die Liquidität der Person schließen.
    Und was die Zähne angeht, RentADent wurde, wenn ich mich recht erinnere, bereits Ende der 70er Jahre des letzten Jarhunderts von Diddi Hallervorden bekannt gemacht.

  2. 24. Juni 2008 at 12:18

    Ich biete seit längerem meinen Gedankenbegleitservice an – lukrativer als ich dachte! Man glaubt gar nicht, wieviel Menschen jeden Morgen ohne eigene Gedanken aufwachen und deshalb den Tag über auf keine andere Idee kommen, als irgendwo fernzudenken!

    Danke für das Haarteil, ich hab’s genossen.

    Volker Remy

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