Eigene Daten schützen oder das Netz hemmungslos nutzen? Ich habe in letzter Zeit viele Diskussionen über Privatheit und Selbstmarketing im Netz verfolgt – und mich auch daran beteiligt. Zum Beispiel hier im PR-Blogger mit einem Kommentar.
Klaus Eck hat mittlerweile zwölf Interviews zum Thema Online Reputation Management geführt und veröffentlicht. Hier ist ein Interview mit Klaus Eck und Mario Grobholz zum Thema “Gläserner Internet-Nutzer – Das Web vergisst nichts”: sehr gute Tipps zum gezielten Aufbau eines guten Rufs im Internet. Die beiden Interviewten zeigen auf, was möglich ist – nennen aber auch Gefahren und Grenzen.Ein guter Anlass, mal selbst ausführlicher darüber nachzudenken.
Ich habe lange eher intuitiv im Netz veröffentlicht, ohne mir darüber wirklich Gedanken zu machen oder eine Strategie zu entwickeln. Dabei war ich aber immer sehr vorsichtig damit, Privates preiszugeben. Erst seit ich mir genau überlege, was ich wo schreibe, traue ich mich, auch mehr von mir preiszugeben. Dabei bin ich aber nicht pausenlos auf der Hut – das wäre nicht mehr authentisch. Mit der Zeit entwickelt sich ein sicheres Gefühl für das, was sinnvoll ist und wo die Grenzen liegen.
Solche Beiträge wie die Interviews im PR-Blogger bewegen mich mehr und mehr dazu, meine eigene Strategie zu entwickeln und sie immer wieder zu überdenken und vielleicht auch zu ändern. Beispielsweise habe ich kürzlich mein XING-Profil für Suchmaschinen freigegeben und sehe, dass darüber auch Zugriffe kommen. Wenn ich mich selbst google – und das mache ich regelmäßig und empfehle das auch jedem -, stehe ich inzwischen ganz gut da. Obwohl mein Name nicht so selten ist, bin ich direkt auf den ersten Seiten mehrfach vertreten – und ganz klar anhand meiner Leistungen und des Kontextes zu identifizieren.
Dabei ist mir aber jederzeit klar: Einmal Geschriebenes kann nicht mehr zurückgenommen werden. Selbst was ich in meinem eigenen Blog und auf meiner Website geschrieben habe, ist nach Kurzem an allen möglichen Stellen zu finden. Eigenes Löschen hilft da kaum noch.
Michael van Laar hat eine XING-Gruppe “Selbstmarketing” gegründet, in der ich die Frage beantwortet habe:
WIE SIND SIE IM NETZ UNTERWEGS – ANONYM, PSEUDONYM ODER MIT IHREM REALNAMEN?
Von Anfang an: durchsichtiger als erhofft
Jahrelang war ich im Web nur mit Pseudonym unterwegs und habe es tunlichst vermieden, irgendwelche realen Informationen über mich preiszugeben – oder wenn, dann nur ausgewählten Personen. Ich glaube aber inzwischen, dass das selbst zu Beginn einer ernsthaften Recherche nicht standgehalten hätte. Irgendwann war mein Pseudonym “Dalila” – und ein anderes habe ich nie verwendet, egal, wo ich unterwegs war – an so vielen Stellen mit meinem Realnamen verknüpft, dass jegliche Privatheit eine Illusion gewesen wäre.
Ich habe dann aus einer Art Nostalgie “Dalila” lange noch beibehalten – in ein oder zwei Foren ist das bis heute mein Nickname. Selbst mein altes Blog habe ich noch unter diesem Namen geführt, obgleich es direkt zu meiner Website und zu meinem Klarnamen verlinkte.
Kunstfigur versus Arbeits-Person
Es hat also lange die Kunstfigur “Dalila” auf der einen und die Werbe- und PR-Frau Kerstin Hoffmann auf der anderen Seite gegeben. Irgendwann hörte mein Blog dann auf, ein reiner Privatspaß zu sein. Ich schrieb mehr und mehr fachbezogene Beiträge (auch wenn ich auch in meinem aktuellen Blog die glossierende, freie Form nach wie vor sehr gerne habe). Kollegen begannen, meine Beiträge zu lesen, Kunden abonnierten das Blog und gaben mir dazu auch Rückmeldung.
Irgendwann wurde mir klar, dass mein Blog zwar nie zu Werbezwecken gedacht und geschrieben war. Dass es aber mit zu meinem komplexen Bild im Netz gehörte und damit letztlich auch so etwas wie Imagebildung, Kundenbindung und Netzwerk-Funktion hat.
Findbarer werden
Inzwischen habe ich selbst erfahren, dass meine Arbeit viel leichter wird, wenn ich leicht findbar bin. Wenn Interessenten sich ein buntes Bild von mir machen können und mit einfachen Suchfunktionen viele Informationen im Netz über mich finden.
Mein Name ist nicht _so_ selten, aber er taucht bei Google direkt auf der ersten Seite mehrfach auf. Ich sorge dafür, dass er eng mit meiner Tätigkeit und meinem Angebot verknüpft ist. Dafür setze ich, wo immer ich veröffentliche, meinen Realnamen ein und pflege dazu ein ziemlich einheitliches “Kurzporträt”. Wer im Netz findbar ist, ist eh eine öffentliche Person. Da kann man es besser gezielt lenken, soweit das überhaupt möglich ist.
Voraussetzung: Integrität
Der Klarname hat für mich auch etwas mit Integrität zu tun: Ich würde nicht beliebig Privates über mich ins Netz stellen – da bin ich im Gegenteil sehr vorsichtig -, aber ich bin der Überzeugung, dass alles, was ich tue und sage, offen im Zusammenhang mit meinem Namen erscheinen kann. Hätte ich das Gefühl, irgendetwas verheimlichen zu müssen, würde ich nicht am Namen arbeiten, sondern an meiner Persönlichkeit und meiner Ausrichtung – damit es wieder übereinstimmt.













Eigentlich sollte es heute schon Teil der Medienkompetenz sein, die eigene Reputation und Netzperson richtig aufzubauen. Für uns Ältere, die das Medium als Erwachsene kennnen gelernt haben und so etwa wie Sie vorgegangen sind (erst mal anonym, dann aber immer selbstbewußter und auch mit sicherem Blick auf die so entstehende Identität im Internet) mag es nicht sehr problematisch sein. Für Jugendliche ist das anders. Wer mit 16 Partyphotos und subversive Kommentare veröffentlicht hat, möglichst noch mit realname oder sonstwie erschließbar, der wird sich mit 24 bei der Stellensuche vor Problemen sehen.
Was ich gut fände: Wenn schon in der Schule darauf hingewiesen würde, wie eine Identität im Internet sich bildet und welche Auswirkungen das auf das spätere Leben haben kann. Dies geht über die Hinweise zum Verhalten in Chatrooms, wie sie heute schon Kindern beigebracht werden, deutlich hinaus.